„Kreuz und Herz“

Der Mensch Martin Luther

Die Biografie Martin Luthers ist turbulent. Das Kind eines Handwerkers, der aus der Bauernzunft stammt, wird Akademiker. Aus einem angehenden Juristen, wird ein Mönch, der später aus der Kirche ausgestoßen wird. Als Geächteter ohne Rechte heiratet er und wird Familienvater. Als Professor Doktor Martin Luther wird er weltberühmt. Allein diese kurze Zusammenfassung des Weges Luthers zeigt sein sehr bewegtes Leben.

Und doch gibt es gravierende Wendepunkte auf seinem Weg, die seine Lebensrichtung ganz neu ausrichten:

Am 2. Juli 1505 gerät der Student Luther nahe Stotterheim auf offenem Felde in ein gefährliches Sommergewitter und schwört, Mönch zu werden, wenn er gerettet würde. Da Luther überlebt, tritt er in Erfurt am 17. Juli 1505 in das Kloster ein. Nun ist er Mönch.

Am 18. April 1521 steht er in der Reichsstadt Worms am Rhein vor Kaiser und Papst – und mit dem Rücken an der Wand. Er soll seine theologischen Schriften widerrufen oder es droht ihm Gesetzlosigkeit und Tod. Martin Luther hält diesem gewaltigen Druck stand, beruft sich auf sein Gewissen und widerruft nicht, was einem Todesurteil gleichkommt. Zum Glück wird er von seinem weltlichen Schutzherrn, Friedrich der Weisen, auf dem Rückweg „entführt“ (bevor es andere tun) und anonym auf der Wartburg bei Eisenach versteckt. Dort übersetzt er die Bibel in die hochdeutsche (Amts-)Sprache.

Am 13. Juni 1525 heiratet Martin Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Obwohl er noch drei Wochen vorher zu seinem Vertrauten Spalatin gesagt hat, dass er niemals heiraten wollte, denn die Grausamkeiten der Welt standen ihm ständig vor Augen. Das Leben allgemein und seines besonders war nichts wert.
Denn Luther hatte miterleben müssen wie am 15. Mai 1525 die letzte Bauernschlacht in Bad Frankenhausen brutal endete. Über 6.000 Bauern, die nur mit Knüppeln und Forken gegen die bewaffneten Fürstenheere kämpften, wurden schonungslos niedergemetzelt wie das Vieh. Auch sein ehemaliger Mitstreiter Thomas Müntzer wurde festgenommen, gefoltert und zwölf Tage später öffentlich hingerichtet. Ein qualvolles Ende. Martin Luther sah darin das Werk des Teufels, der Lust am Krieg und an der Verzweiflung der Menschen hat. Selbst ehemalige Mitstreiter zieht der Teufel auf seine Seite, so dass sie sich vom Guten abwenden. Luther war gegen diesen Bauernaufstand, aber das unterdrückte Volk war aufgehetzt und fand letztendlich wie die Anführer nicht die Erlösung, sondern den Tod. Eine bittere Erfahrung.
Martin Luther war 41 Jahre alt und durch die vielen Dispute dünnhäutig geworden. Das Leben schien ihm ein ständiger Kampf, und der Teufel erfreute sich an jeder gefallenen Seele. Die Politik war unübersichtlich, zu viele eigene Interessen wurde vertreten, nur nicht die des Volkes. Und zu allem Unglück zog auch noch die Pest über das Land und nahm Jung und Alt mit sich in den Tod. Luther war verzweifelt und fand allein Trost im christlichen Glauben. Jesus Christus war sein Erlöser. Das Kreuz war sein Lebenssymbol. Das Leben war für Martin Luther ein Kreuz!
Deshalb wollte er nicht heiraten. Er hatte schon mit sich schwer zu tragen und sein Leben war ständig bedroht. Wie sollte er da noch Verantwortung für eine Familie übernehmen? Aber das Herz war stärker als die ängstlichen Gedanken. In einer Lebensphase der tiefsten Erschütterung durch die gesellschaftlichen Ereignisse, öffnete Luther sein Herz und vertraute sich Katharina von Bora an. All seine schweren Bedenken wurden durch das offene Herz getragen. Im Zusammensein mit Katharina erfüllte sich das Bibelwort aus dem Hohelied: „Die Liebe ist stark wie der Tod.“ Luther fand mit dem Herz Katharinas ein Gegengewicht zum Kreuz seines Lebens.

Als Familienwappen kreierte er die „Lutherrose“, in der mittig ein Herz blüht, das ein Kreuz trägt. Luther schrieb: „Das erste soll ein Kreuz sein -schwarz- im Herzen… Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht.“

– und nicht gericht!

Pastor Holger Janke